psychologische Beratung und Kinesiologie, Peter Fischer, lic.phil.I, Biel

Psychologisches Sonntags-Häppchen Nr. 55

Thema Emotionen: Wut — wahrnehmen und ausdrücken

Wut ent­steht, wenn die eige­nen Gren­zen ver­letzt wer­den. Dies war eine der Haupt­aus­sa­gen im letz­ten Blog. Wenn eige­ne Gren­zen ver­letzt wer­den, neh­me ich dies viel­leicht gar nicht bewusst wahr. Plötz­lich spü­re ich eine inne­re Anspan­nung. Hal­te ich inne und gehe die­ser kör­per­li­chen und emo­tio­na­len Anspan­nung nach, ent­de­cke ich häu­fig, dass ich ins­ge­heim Wut emp­fin­de – offen­bar hat mich jemand oder etwas auf eine sub­ti­le Art und Wei­se ver­letzt. Die Wut kann sich aber auch sehr laut und deut­lich mel­den, wenn das Ver­hal­ten mei­nes Gegen­übers mich direkt und deut­lich verletzt.

Wenn ich mir der Wut bewusst bin, ergrün­de ich in der Regel auto­ma­tisch, was der kon­kre­te Aus­lö­ser der Wut war. Oft bleibt man bei die­ser Suche beim Ver­hal­ten oder bei den Wor­ten und beim „Täter“ ste­cken. Die­ser ers­te Schritt ist wich­tig, las­sen Sie es aber nicht dabei bewen­den. Fra­gen Sie sich auch, wel­che Ihrer Inter­es­sen und Bedüf­nis­se ver­letzt wur­den. Bei­spiel: Sie haben sich mit einem Freund aus­wärts ver­ab­re­det. Er erscheint nicht. Sie sind wütend. In Ihrer inne­ren Ver­ar­bei­tung die­ser Situa­ti­on erken­nen Sie, dass Sie sich inner­lich gestresst zu die­ser Ver­ab­re­dung auf­ge­macht haben, weil sie noch eini­ges zu Hau­se hät­ten erle­di­gen sol­len. Sie erle­ben die fehl­ge­schla­ge Ver­ab­re­dung als Zeit­ver­lust. Es wird Ihnen klar, dass vor allem die­ser Umstand Sie wütend gemacht hat.

Wenn ich weiss, was mei­ne Wut aus­ge­löst hat und ich her­aus­ge­fun­den habe, in wel­chen mei­ner Inter­es­sen und Bedürf­nis­se ich ein­ge­schränkt wur­de, ver­fü­ge ich über eine Rei­he von Infor­ma­tio­nen. Wenn ich den Freund das nächs­te Mal sehe, dann fällt es mir leich­ter, ihn nicht anzu­kla­gen, son­dern ihm fol­gen­des mit­zu­tei­len: „Ich war ziem­lich wütend, weil du zu unse­rer Ver­ab­re­dung nicht erschie­nen bist. Ich erleb­te das Gan­ze als Zeit­ver­lust, weil ich an die­sem Tag zu Hau­se noch eini­ges zu erle­di­gen gehabt hät­te.“ Wenn man das dem Freund so mit­teilt, hat es infor­ma­ti­ven und nicht ver­ur­tei­len­den Cha­rak­ter. Dies trägt viel dazu bei, die Atmo­sphä­re zu entspannen.

Wut ent­steht häu­fig in einem Kampf zwi­schen „ich kann“ und „ich kann nicht“. Im obi­gen Bespiel geht es dar­um, dass ich mei­ne Zeit nicht opti­mal nut­zen kann. Wenn ich rea­li­sie­re, dass ich mich ver­geb­lich zur Ver­ab­re­dung auf dem Weg gemacht habe, ist es hilf­reich, mei­ne inne­re Auf­merk­sam­keit nicht auf das zu rich­ten, was ich nun nicht kann, son­dern mich zu fra­gen, ob es irgend­et­was ande­res Posi­ti­ves gibt, das ich nun in die­sem Moment tun kann, zum Bei­spiel einen noch uner­le­dig­ten Ein­kauf machen, oder den Film, der mir jemand emp­foh­len hat, im Kino anschau­en. Die Wut wird dadurch kleiner.

Wut ist eine ener­gie­vol­le Emo­ti­on. Hat sich viel Wut ange­staut, so tut es gut, „Dampf abzu­las­sen“. Schla­gen Sie dem Ver­ur­sa­cher der Wut nicht die geball­te Faust ins Gesicht, son­dern benut­zen Sie dazu einen Box­sack oder ein gros­ses Kis­sen, oder gön­nen Sie sich einen Exploit in ihrem Lieb­lings­sport. Machen Sie Musik, so spie­len Sie Stü­cke, in die Sie Ihre Wut­en­er­gie hin­ein­flies­sen las­sen können.

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