psychologische Beratung und Kinesiologie, Peter Fischer, lic.phil.I, Biel

Psychologisches Sonntags-Häppchen Nr. 56

Trauer

Trau­er erle­ben wir, wenn uns etwas, das uns viel bedeu­tet, genom­men wird: Ein lie­ber Mensch oder ein gelieb­tes Tier, ein für uns wert­vol­ler Gegen­stand, kör­per­li­che Unver­sehrt­heit, Gesund­heit und Schön­heit. Es kann auch eine Hoff­nung sein oder ein erwar­te­ter Erfolg, der nicht ein­trifft, oder Hei­mat, die ver­lo­ren geht oder die man ver­las­sen muss. Vor Ver­lus­ten im Leben kön­nen wir uns nicht absi­chern. Trau­er hilft bei der Anpas­sung an einen Ver­lust. Sie ist eine spon­ta­ne, natür­li­che und selbst­ver­ständ­li­che Ant­wort auf Ver­lust. Sie schafft einen inne­ren und auch gegen aus­sen wir­ken­den Schutz­raum, der uns vor zu vie­len Rei­zen abschirmt. Psy­chisch beginnt ein Pro­zess, der uns hilft, sich von dem, was wir ver­lo­ren haben, zu lösen, zu ver­ab­schie­den und als Ver­lust zu akzep­tie­ren. Trau­er ist etwas sehr Per­sön­li­ches und fin­det einen sehr indi­vi­du­el­len Aus­druck: Eini­ge sind in ihren Gedan­ken stän­dig mit dem beschäf­tigt, was sie ver­lo­ren haben. Ande­re spü­ren nur noch eine gros­se inne­re Lee­re und haben das Gefühl, das Leben gehe an ihnen vor­bei. Man­che wol­len allein sein, ande­re sind sehr dank­bar, wenn sie Trost und Nähe erfah­ren.

Es gibt eine ruhi­ge Sei­te der Trau­er: Wir spü­ren eine inne­re Schwe­re, die uns zu läh­men scheint. Wir haben das Gefühl, stän­dig müde und erschöpft zu sein. Wir zie­hen uns zurück. Wir haben kaum Hun­ger. Am liebs­ten möch­ten wir nur noch schla­fen. Trau­er kann sich auch laut äus­sern: Wir wei­nen, schluch­zen, schrei­en. Wir fin­den kei­ne Ruhe und sind stän­dig mit irgend­et­was beschäf­tigt. Wei­nen ist gesund. Es dient dem Stress­ab­bau und för­dert die Erho­lung. Wei­nen ist oft mit Scham behaf­tet. Das soll­te nicht sein, denn Wei­nen ist ein natür­li­cher Vor­gang und wird von aus­sen meis­tens auch so wahr­ge­nom­men. In unse­rer Kul­tur wird die lau­te Sei­te der Trau­er wenig aus­ge­prägt gelebt. Man geht davon aus, dass man die­se mit sich selbst aus­macht und ver­ar­bei­tet. Geteil­te Trau­er hilft im Umgang mit dem oft tie­fen Schmerz auf­grund einer Ver­lus­ter­fah­rung.

Trau­er ist eine Emo­ti­on, die einen unter­schwel­lig län­ge­re Zeit beglei­tet. Sie war­tet dar­auf, dass man sich auf sie ein­lässt und durch sie hin­durch geht. Dabei ist es hilf­reich, beson­de­re Mit­tel und Wege zu fin­den, um sie aus­zu­drü­cken. Bei­spie­le:  Abschieds­ri­tua­le oder schöp­fe­ri­sche Tätig­kei­ten mit Mate­ria­li­en, die zum krea­ti­ven Tun anre­gen (z.B. Ton oder Papier und Farbe/Tinte). Trau­er  fin­det immer wie­der Aus­lö­ser (z.B. Erin­ne­run­gen) oder kommt oft ein­fach so und geht dann wie­der wie eine Wel­le. Wenn wir ihr nichts in den Weg stel­len, kann sie von selbst flies­sen und nach aus­sen gelan­gen. Wenn die Trau­er lan­ge all­ge­gen­wär­tig bleibt und alles über­la­gert, dann ist es ange­mes­sen, eine pro­fes­sio­nel­le Beglei­tung in der Trau­er­ar­beit  auf­zu­su­chen.

The­ma des nächs­ten Psy­cho­lo­gi­schen Sonn­tags-Häpp­chens: Die Beglei­te­mo­tio­nen der Trau­er

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