psychologische Beratung und Kinesiologie, Peter Fischer, lic.phil.I, Biel

Psychologisches Sonntags-Häppchen Nr. 57

Thema Emotionen: Trauer – ihre Begleitemotionen

Trau­er, aus­ge­löst durch den Ver­lust eines gelieb­ten Men­schen, ist eine schmerz­haf­te Erfah­rung, die Zeit braucht, um ver­ar­bei­tet zu wer­den. Inner­halb der Trau­er­ar­beit erlebt der betrof­fe­ne Mensch ver­schie­de­ne Pha­sen und emo­tio­na­le Zustän­de.

Die Todes­nach­richt, vor allem wenn der Tod plötz­lich und unver­hofft ein­trifft, wirkt häu­fig als Schock. Es folgt eine Schock­star­re: Der betrof­fe­ne Mensch erlebt sich wie eine Maschi­ne, emp­fin­dungs­los, erle­digt Din­ge wie ein Auto­mat, gefan­gen in der ver­zwei­fel­ten Hoff­nung „das kann doch nicht wahr sein — das ist nur ein böser Traum!“ Das inne­re Ver­nei­nen der Situa­ti­on weicht meist einem Hass auf den Tod, ver­bun­den mit Wut und Zorn. Die Wut kann sich sogar gegen den Ver­stor­be­nen rich­ten, weil er einen ver­las­sen und allein gelas­sen hat. Das Gefühl des Allein­seins kann Angst aus­lö­sen: „Nie­mand und Nichts kann die­sen inne­ren lee­ren Platz, der nun ent­stan­den ist, fül­len!“ Wenn Bekann­te und Freun­de die trau­ern­de Per­son „in ihrer Trau­er nicht stö­ren wol­len“ und sie „in Ruhe las­sen“, dann fühlt sie sich nicht nur allein, son­dern auch ein­sam. Vor allem in einem sol­chen Moment wächst ein star­kes Begeh­ren nach jener Nähe und Zärt­lich­keit, wel­che die ver­stor­be­ne Per­son einem gege­ben hat. Es kön­nen sich auch Schuld­ge­füh­le mel­den: Das Gefühl „nicht alles gege­ben zu haben“ oder „Din­ge nicht mit­ge­teilt zu haben, die eigent­lich hät­ten gesagt wer­den müs­sen“ oder Erin­ne­run­gen an Ver­let­zun­gen, die man dem ande­ren zuge­fügt hat. Hof­fent­lich erlebt die trau­ern­de Per­son auch Momen­te der Freu­de, ver­bun­den mit der Erin­ne­rung und dem Wis­sen, dass man viel Schö­nes und Wert­vol­les mit­ein­an­der erlebt hat. Sol­che Momen­te kön­nen zu einem Gefühl der Dank­bar­keit hin­füh­ren: „Sie/Er hat mein Leben berei­chert, die­sen Schatz kann mir nie­mand weg­neh­men“. So wird die Trau­er wie eine Art Pfand für das Kost­ba­re, das die ver­stor­be­ne Per­son für einen war.

Möch­ten Sie den Blog abon­nie­ren? Wenn ja, benut­zen Sie unten die Suscri­be Form und tra­gen Sie dort Ihre E-Mail-Adres­se ein.


 

Kein Kommentar vorhanden

Noch kein Kommentar vorhanden. Schreiben Sie den Ersten!

Hinterlassen Sie einen Kommentar: