psychologische Beratung und Kinesiologie, Peter Fischer, lic.phil.I, Biel

Psychologisches Sonntags-Häppchen Nr. 59

Thema Emotionen: Der Verstand kann helfen, Emotionen zu regulieren

Wir sind Emo­tio­nen nicht immer macht­los aus­ge­setzt. Wir kön­nen mit­tels Gedan­ken, Ent­schei­dun­gen und dar­aus resul­tie­ren­dem Ver­hal­ten emo­tio­na­les Erle­ben steuern:

  • Anja ist „nahe am Was­ser gebaut“ – es braucht nicht viel, dass sie zu wei­nen beginnt. Ihr ist dies jedes­mal sehr pein­lich, sie schämt sich. Sie ver­mei­det das Scham­ge­fühl beim Wei­nen, wenn ihr fol­gen­de Neu­be­wer­tung gelingt: Wei­nen in Gegen­wart ande­rer Men­schen ist nicht unan­ge­bracht, son­dern erlaubt und ist für mich hilf­reich, denn nach dem Moment des Wei­nens bin ich wie­der offen und frei, das begon­ne­ne Gespräch wei­ter­zu­füh­ren. Stra­te­gie: ein Ver­hal­ten, das mich emo­tio­nal in Schwie­rig­kei­ten bringt, anders, das heisst posi­tiv bewer­ten (kogni­ti­ve Neu­be­wer­tung).
  • Raf­fa­el kommt spät am Abend völ­lig erschöpft und nie­der­ge­schla­gen nach Hau­se. Nach einem sehr anstren­gen­den Arbeits­tag ging er noch ein­kau­fen und traf sich danach mit Kol­le­gen zu einem spä­ten Fei­er­abend­bier. Er konn­te am Gespräch gar nicht rich­tig teil­neh­men und fühlt sich, als er zu Hau­se ankommt, min­der­wer­tig. Die­ses Erleb­nis macht er nicht zum ers­ten Mal. Stra­te­gie: Ich kann mich je nach Befinden/Stimmung ent­schei­den, gewis­se Situa­tio­nen, von denen ich weiss, dass sie mir aktu­ell nicht gut tun, gezielt zu mei­den (Situa­ti­ons­aus­wahl). Für Rafa­el heisst das: Wenn er ermü­det ist, sich nicht mit Kol­le­gen zu einem Fei­er­abend­bier tref­fen. Auf­ge­passt: Wenn wir stän­dig aus Angst bestimm­te Situa­tio­nen mei­den, so ist dies kontraproduktiv.
  • Der Ter­min beim Zahn­arzt ist für Ste­fan jedes Mal sehr unan­ge­nehm. Er ist sehr schmerz­emp­find­lich. Er hat vor kur­zem den Zahn­arzt gewech­selt. Der neue Zahn­arzt ist nicht mehr rup­pig, son­dern sehr freund­lich. Aus­ser­dem hat es im War­te­zim­mer inter­es­san­te Zeit­schrif­ten. Das War­ten auf den unan­ge­neh­men Moment ist so erträg­li­cher. Stra­te­gie: Dort, wo Spiel­raum besteht, die Situa­ti­on so ange­nehm wie mög­lich gestal­ten (Situa­ti­ons­mo­di­fi­ka­ti­on).
  • Ste­fan hat noch etwas ande­res her­aus­ge­fun­den, was den Zahn­arzt­ter­min erträg­li­cher macht: Anstel­le, dass er gebannt auf den Boh­rer schaut, der sich sei­nem offen auf­ge­sperr­ten Mund nähert, schliesst er die Augen und ruft inne­re Bil­der sei­ner letz­ten wun­der­schön erleb­ten Feri­en ab. Stra­te­gie: Die Auf­merk­sam­keit auf emo­tio­nal posi­ti­ve Inhal­te len­ken (Auf­merk­sam­keits­steue­rung).
  • Mela­nie ist wütend und trau­rig. Ihr Chef hat sie in einem Mee­ting vor allen ande­ren kri­ti­siert und fer­tig gemacht. Gleich nach Arbeits­schluss ruft sie ihrer bes­ten Freun­din an und erzählt ihr, was vor­ge­fal­len war und wie sie sich nun fühlt. Stra­te­gie: Eine unan­ge­neh­me emo­tio­na­le Reak­ti­on mit Hil­fe eines Gespräch oder einer sehr ange­neh­men Tätig­keit (Musik hören, spa­zie­ren gehen, etwas Fei­nes essen …) zu modu­lie­ren suchen (Modu­la­ti­on der emo­tio­na­len Reak­ti­on).

Mit die­sem Blog been­de ich das The­ma Emo­tio­nen. Es folgt nun eine Som­mer­pau­se. Im August wer­de ich mit dem The­ma Selbstwert/Selbstvertrauen weiterfahren.

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