psychologische Beratung und Kinesiologie, Peter Fischer, lic.phil.I, Biel

Psychologisches Sonntags-Häppchen Nr. 51

Thema Emotionen: Angst

Angst ist eine Emo­ti­on, die sich ein­stellt, wenn wir uns in einer Situa­ti­on befin­den, die wir als bedroh­lich, unge­wiss und unkon­trol­lier­bar ein­stu­fen. Sie ver­an­lasst, dass wir uns schüt­zen und zwar mög­lichst rasch. Wir schaf­fen der Gefahr und Bedro­hung gegen­über Distanz. Wenn es die Situa­ti­on erlaubt, flüch­ten wir. Viel­leicht reicht es, wenn wir uns phy­sisch oder sinn­bild­lich „ver­ste­cken“: Wir stel­len uns ins Abseits, wo man uns nicht wahr­nimmt, pas­sen uns an, hal­ten den Mund und ver­su­chen der Bedro­hung so wenig Angriffs­flä­che wie mög­lich zu bie­ten. Angst sen­det nicht nur ein Signal nach innen, son­dern auch nach aus­sen. Äus­ser­lich sicht­ba­re kör­per­li­che Angst­si­gna­le hel­fen der Umwelt, zu erken­nen, dass wir in Not sind (blut­lee­res Gesicht, gewei­te­te Augen, geöff­ne­ter Mund, Mühe beim Spre­chen). Die­se Signa­le mobi­li­sie­ren Hil­fe. Unmit­tel­ba­re Angst ist ansteckend.

Im Sin­ne oben beschrie­be­ner Eigen­schaf­ten ist Angst eine nütz­li­che Emo­ti­on. Die Krux ist, dass wir sie als unan­ge­neh­men — je nach Inten­si­tät sogar als uner­träg­lich (pani­sche Angst) — erle­ben. Kei­ne ande­re Emo­ti­on ist so stark von kör­per­li­chen Reak­tio­nen beglei­tet. Wir atmen schnell und flach, auch das Herz schlägt schnel­ler. Wir schwit­zen (Angst­schweiss). Es wird uns schwind­lig, der Blick ver­engt sich (Tun­nel­blick). Es fällt uns schwer, „einen küh­len Kopf zu behal­ten“. Bei Panik­at­ta­cken ist die kör­per­li­che Kom­po­nen­te oft sehr aus­ge­prägt – das Erle­ben der Angst ist äus­serst unan­ge­nehm. Men­schen, wel­che davon betrof­fen sind, krie­gen Angst vor der Angst.

Angst kann auch gelernt wer­den. Kin­der ängst­li­cher Eltern über­neh­men häu­fig Ängs­te ihrer Eltern. Sie über­neh­men die Bewer­tun­gen der Eltern. Bewer­tet der Vater und/oder die Mut­ter alle Hun­de als gefähr­lich, so ist das Risi­ko gross, dass auch die Kin­der sich vor jedem Hund ängstigen.

Weil das Erle­ben der Angst unan­ge­nehm ist, ste­hen wir in Gefahr, poten­ti­el­len Angs­t­ri­si­ken aus dem Weg zu gehen. Ent­spre­chen­de Situa­tio­nen wer­den ver­mie­den, auch wenn die objek­ti­ve Gefahr dies nicht nahe­legt. Ler­nen wir nicht, Angst­mo­men­te aus­zu­hal­ten, son­dern ver­mei­den die Angst, so kann dies zu star­ken Ein­schrän­kun­gen im Leben füh­ren. Der Raum, in dem wir uns zu bewe­gen wagen, wird klei­ner und klei­ner. Es ist wich­tig zu wis­sen, dass der Kör­per Angst­re­ak­tio­nen nach einer gewis­sen (nicht all­zu lan­gen) Zeit auto­ma­tisch „her­un­ter­re­gelt“.

Möch­ten Sie den Blog abon­nie­ren? Wenn ja, benut­zen Sie unten die Suscri­be Form und tra­gen Sie dort Ihre E-Mail-Adres­se ein.


 

Kein Kommentar vorhanden

Noch kein Kommentar vorhanden. Schreiben Sie den Ersten!

Hinterlassen Sie einen Kommentar: